10 Jahre später - Reisebericht 2004
© "Nik"Klaus Polak, Bonn, Germany
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Erstellt: September 2004 Verzeichnis aller Reiseberichte
Übersicht
(Mitte Juli - Mitte August 2004) Die Togian Inseln sind im Oktober 2004 zum Nationalpark durch den Minister für Forstwirtschaft erklärt worden. Der Park umfasst alle Inseln der Togians, sowohl den terrestrischen als auch den marinen Anteil. Gleichzeitig wurden die Inseln dem Distrikt Kebupaten Ampana und nicht länger Kebupaten Poso unterstellt. Hoffentlich nutzt es noch was. Fahrt mit der MV Puspita Sari nach Wakai |
In Ampana heißt es einschiffen um über die traumhaften Togian Inseln zum
nördlichen Festland Sulawesis zu gelangen.
Als ich die große Fähre aus Holz sehe, ist mein erster Gedanke: "Au weia, die sieht ja aus wie die Agape II!!", die
ich von 1994 kenne, kurz danach ist sie abgesoffen. Bei genauerem Hinsehen ist
sie ganz offensichtlich eine Kopie aber in besserem Zustand, da erst vor wenigen
Jahren in Dienst gestellt. Lustig wird es schon beim Fahrkartenkauf, das Schiff
ist da, ich sehe wie alles darauf strömt, nur der am Anfang des Piers liegende Fahrkartenschalter
unbesetzt. Also will ich mir erst einmal einen Platz an Bord sichern, was sich
als nicht so einfach herausstellt. Ein Durchkommen gleicht einer Mischung aus
Hindernislaufen, Sackhüpfen und Eiertanz, das Ganze in gebückter Haltung um
sich nicht laufend den Schädel an den Querbalken einzuschlagen, und ich bin nur
einsdreiundachtzig groß. Es bietet sich das gleiche
chaotische Bild auf zwei Decks. Im oberen liegen in der vorderen Hälfte 16
Kabinen mit vier kurzen Kojen, die von Indonesiern manchmal zu zehnt und mehr belegt
werden. Eine letzte erwische ich noch, falls ich bereit bin mit Einheimischen zu
teilen. Klar, bin ich, bin doch kein Rassist, innerlich grummle ich vor
mich hin da ich reserviert hatte und ich nun weiß was mich erwartet. Die Schlafboxen sind drückend heiß, da
hilft auch der lustige Spielzeugventilator kaum. Zudem hat er schon lange die
Swingphase hinter sich, so dass nur der in den Genuss kommt, der es am längsten
schafft ihn unauffällig wieder zu sich zu drehen. Wenn man Glück hat mit
Indonesiern in einer Kabine zu liegen, können immer wieder die gleichen
Antworten in bahasa indonesia durchgeübt werden, das bei jedem Neuankömmling von vorne beginnt.
Dies hilft zumindest beim Üben der richtigen Aussprache und dient der
Erweiterung des Sprachschatzes. Teilweise unterstützen die zuvor Fragenden bei der Suche nach den korrekten
Wörtern oder erzählen in 15 sec meine ganze Geschichte, wonach sich alle Augen
wieder fragend auf mich richten und den Neuen animieren, seinen Ritus
fortzusetzen. Schließlich ist, bis auf meine Koje,
jede mindestens mit zweien belegt, unter mir liegt sogar eine junge Mutter mit drei
Kindern. Die Temperatur steigt um weitere Grade und ich bin aussprachefester
geworden. Zum Schluss legen sich dann auch
noch zwei ungefragt und kostenlos auf den Boden zwischen den Etagenbetten, so dass in der
Nacht, bei Wellengang, Dunkelheit und einem dringend Gang aufs Klo Tritte in die
Weichteile nicht ausbleiben. Hätten sie sich halt woanders hinlegen sollen, von
meinen nächtlichen Ausflügen ahnen sie noch nichts.
Die "Economy-Class" muss sich sehr ökonomisch mit jeweils 10 m durchgehenden, etwas
mehr als anderthalbmeter breiten, mit PVC ausgeschlagenen Bretterflächen
zufrieden geben. Sie sind zudem noch im eh kaum €päischmannshohen
Deck in zwei Etagen angebracht, ein aufrechtes
Sitzen ist nur für Asiaten unproblematisch. Schnell werden ein paar
Matten oder Decken ausgebreitet und schon ist das Revier abgesteckt - so lange man
drauf sitzt. Wer zuerst kommt mahlt zuerst, alleinreisende Ausländer haben die
schlechteste Karte, besonders wenn sie aufstehen. Besteht kein Blickkontakt
mehr, wird ihr Refugium flugs von allen Seiten um zehn Zentimeter, dann um noch
zwei oder dürfen es noch fünf sein, beschnitten.
Zum
Zeitvertreib werden Karten gespielt, zumeist Domino, geschwätzt, Kinder
tollen herum und kotzen quer durch das Schiff, Mütter machen sich trotzdem sofort an die Zubereitung der
nächsten Mahlzeit
und sobald es dunkel wird, schläft man kreuz und
quer wie es sich so gerade ergibt. Von dem Lärm des Maschinenraums, der sich
direkt darunter befindet, scheint keiner Notiz zu nehmen. Kaum wird aber der
nächste Hafen angelaufen, ist der größte Teil wieder putzmunter und strömt
an die Fenster und auf das Oberdeck. Und versperrt den Ab- und Anreisenden den Weg.
Der erste Abschnitt der Fahrt verläuft unspektakulär entlang des Festlandes,
dann durch die trennende Straße zwischen den Togian Inseln und dem östlichen
Festlandarm von Sulawesi.
Es ist Mittag, die Sonne
brennt heiß, außer dem bisschen Fahrtwind weht kein Lüftchen. Jemand hat
einen Schwung Plastikstühle für irgendwo geordert, ich nehme mir einfach einen, setze mich
in den Schatten und döse so vor mich hin. Plötzlich steht ein Indonesier vor
mir: "duduk saja" (Stuhl meiner). Ich gebe den komfortablen Stuhl
frei, begebe mich zu einem vor mir stehenden Moped, schaue dem Indonesier, der
es sich inzwischen gemütlich gemacht hat, ins Gesicht, sage "mata hari saja"
(Auge Tag mein = Sonne mein) und drücke den Lichtschalter. Urplötzlich wird es
dunkel, verwirrt stoppt der Käpt'n die Maschine, ich schalte das Licht wieder
ein und die Sonne strahlt wie gewohnt. Vollkommen perplex steht der Indonesier auf,
schaut mich entgeistert an und überlässt mir den "duduk saja". Ich sehe noch, wie
er vor dem Moped sinniert, als ich aus dem Tagtraum hochschrecke. Vor mir
steht ein Indonesier an einem Moped und und spielt mit dessen Lichtschalter.
Genau in dem Augenblick schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und das Deck
verdunkelt sich. Irre ich oder hat der Mann mich gerade erschrocken angesehen?
Während die Togians immer näher rücken, entpuppen sich die
"einzelnen" Inseln als eine zusammenhängende Landmasse, die nach und
nach hinter der Horizontlinie auftaucht (aus 1,70 m Blickhöhe über dem
Meeresspiegel befindet sich der
Horizont in nur
4,65 km Entfernung!). Bald wartet auf die Neuankömmlinge wieder eine
Überraschung. Es ist doch nicht eine Insel und es ist auch kein Urwaldfluss, den wir
alsbald hinauffahren, sondern ein sehr schmaler Meereskanal, der die Inseln Batudaka und
Togian voneinander trennt und sich bei Wakai wieder
öffnet. Unterwegs wird die Pfahlbautensiedlung Danda passiert, Einbaumausleger mit
kleinsten aber effektiven Segeln passieren uns gemächlich, es kommen auch Longtail-Schiffsschrauben mit aufgesetztem Motor zum
Einsatz. Kinder plantschen im Wasser, paddeln in winzigen Kanus und winken uns zu. In diesen
Gewässern soll es auch Brackwasserkrokodile geben, befleißigt sich ein Guide
seiner Touristengruppe mitzuteilen. Ob das stimmt oder Veräppelung ist kann man nicht
verifizieren, jedenfalls sieht niemand eins. Nachts sollen sie zu beobachten sein,
wird nachgeschoben. Mir ist nur bekannt, dass Reptilien kaltblütig sind und
erst einmal die Morgensonne brauchen um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Also stimmt
hier irgendwas nicht mit seinen Erzählungen.
Auf den ersten Blick
hat sich, bis auf einige Rodungen und leichte Vergrößerung der Siedlungen in den
letzten 10 Jahren nicht viel geändert, der Tourismus, bedingt durch die
schweren Unruhen um Poso Anfang des Jahrhunderts, SARS, Hühnergrippe und
neuen Visabestimmungen, nur bedingt
zugenommen.
Begibt man sich zu 00° 24.614' Süd, 121°52.137' Ost ist man gerade vom Pier der Inselhauptstadt Wakai ins Wasser gefallen oder befindet sich weiterhin auf der MV Puspita. Hier hat die Fähre fast zwei Stunden Aufenthalt. Ich hatte schon Wochen vorher die Inselhauptstadt besucht.
Die Stadt hat von ihrer Unattraktivität in den letzten 10 Jahren
nicht viel verloren, sie ist nur größer geworden - ich meine die Stadt.
Heute sind Präsidentschafts- und Parlamentswahlen und das wollte
ich mir nicht entgehen lassen. Von allen kleineren Inseln kommen sie mit noch
kleineren Booten um den Gang zur Urne zu absolvieren. Frau Megawati, vor der
viele sagen, dass sie nur eine Marionette ihrer Partei und den Ministern - von
den übrigens fast alle den Generalstitel haben, soweit zum Ende der
Militärherrschaft - ist und war, hat eigentlich nur einen nennens- und
wünschenswerten Herausforderer, der aber vermutlich nicht über genügend
Bekanntheitsgrad in der allgemeinen Bevölkerung verfügt. So kann kaum einer
voraussagen, wie es ausgehen wird. Die Wahlbüros sind erstaunlich nüchtern, es
herrscht keine Stimmung wie auf den Philippinen, ich bin richtig enttäuscht,
mache einen Stadtrundgang und sehe dabei einer Speiseeisbereitung zu.
Mit einem Holzscheit, der mit 20
rostigen Nägeln bürstenartig gespickt ist, wird ein länglicher Wassereisklotz über
einen darunter liegenden Hobel hin- und hergeschoben. Die Späne des blanken Eises
fallen in eine Schüssel und werden im
Anschluss je nach Wunsch mit sirupartigen Flüssigkeiten übergossen, die
das Aroma vermitteln und zudem intensiv in den knalligsten Farben schillern. Mir fallen sofort die
Farbenfabriken Bayer Leverkusen AG ein und vermutlich liege ich da gar nicht so
falsch, vielleicht ist es die Batam-Filiale. Zum Schluss kommen noch ein paar Schuss Kondensmilch darüber, einigen
Gästen wird
noch eine Art süßer Kuchenlappen darauf gelegt. Wohl bekomm's! In Anbetracht
unabwägbarer Keimrisiken und undefinierbaren Kolorierungen habe ich mir den Spaß verwehrt.
Auf dem weiteren Weg hängt sich auf einmal ein hinkender Hund an
mich. Von seinem linken Vorderbein mal abgesehen macht er einen gesunden,
gepflegten und sehr liebenswerten Eindruck. Keine Ahnung was der von mir will,
jedoch fängt er plötzlich an zu Winseln und Jaulen und wirft sich zum
Gotterbarmen vor mir in den Staub. Das derartig gezielte Appellieren bricht mir
fast das Herz, Erinnerungen werden wach, darum muss ich ihn verscheuchen, sonst
werde ich ihn nicht mehr los.
Neben mir trabt ein Bendi
vorbei, eine einspännige Pferdekutsche. Nicht so schön bunt bemalt wie in
Gorontalo, dazu hat man
offenkundig nicht das Geld, wie man an den vielen einfachen,
teilweise baufälligen Hütten ablesen kann. Auch Bier gibt es nicht, die Stadt
ist recht stark moslemisch geprägt. Das kann aber nicht allein des Rätsels Lösung
sein, denn unter der Theke gibt es Arak in schlanken Plastikbeuteln abgepackt
für einige Rupiah zu kaufen. Also ist das Bintang (indon. = Stern, ein
Nachfolger des zu Kolonialzeiten gebrauten niederländischen Heinekens, die sich
ebenfalls mit einem Stern plakatierten) einfach zu teuer, schmeckt warm auch
nicht so toll und Touristen bleiben nur selten in dem Nest. Die meisten machen sich
gleich weiter zu den vorläufigen Endstationen auf.
Sonntagmorgen ist Markt und alles was Beine hat unterwegs.
Durch die Straßen zieht ein Duft von trocknenden Nelken 130, die wohl bald
kleingerieben in eine der hiesigen Zigaretten landen, die Kretek genannt werden.
Mit dieser Krautmischung verpestet Mann gerne Bemos und
Restaurants, ich fühle mich immer an meine Zahnarztpraxis aus den 50iger Jahren
erinnert. Daneben
liegen frische Fische auf hölzernen Rosten und auf Plastikbahnen Muskatnüsse und Kakaobohnen
132
ausgebreitet in der
Sonne.
Frische Muskatnüsse! Ich decke mich ein und rechne noch ein paar für die
Verwandtschaft mit. Mit dem Kakao kann man leider nicht viel anfangen, der ist
unraffiniert bitter wie ein süßes aber nicht gehaltenes Versprechen. Davon
habe ich genug.
Neben den üblichen Grundnahrungsmitteln (Reis, Reis und nochmals Reis), tropischen Gewürzen und Kräutern, Plastiklatschen und Buschmessern, Alukochtöpfen und Video-CDs, werden auch Kuriositäten angeboten, die bei uns schon längst die Polizei auf den Plan gerufen hätten.

Skeptische Blicke gelten dem Fotografen, nicht der fragwürdigen
"Medizin"
Aber die Krokodilschädel dienen weniger dem Verkauf, als mehr
die Kunden anzulocken, um dann die angeblich daraus gefertigte Hokuspokus-Medizin zu verhökern, die
gleichzeitig Asthma und Fußpilz heilt, Menstruationsbeschwerden lindert und den
Sarong alter Opas wieder abstehen lassen.
Offensichtlich gehören dazu auch Stacheln vom gleichnamigen Schwein, denn das
arme Tier hat kaum noch welche. Die Steine sollen übrigens der Niere entstammen,
natürlich gibt es auch dagegen eine Tinktur - inklusive Garantie, vermutlich
aber ohne Wandlungs- und Rückerstattungsrecht. Ich jedenfalls garantiere, dass man auf Grund des widerlichen
Gestanks der Mixtur schon psychisch gegen Nieren- und Gallensteine, Veitstanz oder
Haarausfall gefeit ist.
Am Ende eines langen Holzanlegestegs steht ein Pavillon und bietet Schutz gegen
die stechende Sonne, zudem ist hier angenehm windig. Ich genieße die Frische
und den Ausblick, lege mich hin und schließe bald die Augen. Leise höre ich 5 Kinder herantapsen. Sichtlich
bemüht und sich gegenseitig ermunternd mich rücksichtsvoll nicht zu wecken angeln sie
flüsternd mit
einer einfachen Angelschnur, die auf einer Spule aufgerollt ist, durch ein Loch
im Holzboden und ziehen nach einigen Minuten tatsächlich einen kleinen Fisch heraus.
Für die Pfanne ist der allerdings zu mickrig, denke ich, aber er wird
mitgenommen. Genauso leise wie sie gekommen sind entfernen sich die
Dreikäsehoch.
Die Nachbarn nebenan sind dabei einen langen Anlegesteg, den es im
letzten Sturm ziemlich zerschlagen hat, zu reparieren. Ich habe mich schon immer
darüber gewundert, wie man die Stelzen in dem Meeresboden einigermaßen stabil
verankert. Die Methode mit dem Brecheisen und das Reinruckeln der angespitzten
Pfahle habe ich schon gesehen. Neu ist aber, dass sie zusätzlich für einige Tage mit einer
ordentlichen, zusammengebundenen Steinlast weit unter dem Schwerpunkt beschwert
werden und sich so bei jeder kleinen Welle noch etwas tiefer in den Sand
hineingraben. Ich bin beeindruckt, begebe ich mich auf den Rückweg und das gleiche Spiel geht wieder von vorne
los. Nur dass der Hund jetzt
sämtlich Register zieht, sich an mich drängt, wimmert, Unterwürfigkeitsgesten
niedrigster Kategorie abliefert und mit treuen Augen anhimmelt. Entweder hat der sich in mich verliebt oder ich stinke erbärmlich
oder der Hund braucht einen Psychiater. Ich entscheide mich für zweites und kaufe
auf dem Markt ein Stück Seife mit Apfelaroma, vermutlich von einem
indonesischen Ableger der BASF AG.
In einem Rumah Makan & Minum (Haus essen & trinken) treffe ich auf einen einigermaßen englisch
sprechenden, jungen indonesischen Überlebenden
einer der vielen hiesigen Schiffskatastrophen, die wohl von keinem anderen Land
auf der Welt übertroffen werden. 2001 ist er mit der Fähre von Ampana nach
Wakai abgesoffen. Das Boot hatte jede Menge Zement geladen, war in ein nur
kurzes Unwetter geraten und schlicht auseinander gebrochen. In wenigen Minuten
versank es wie ein Stein. Nach seinen Schilderungen waren an die 200 Personen an Bord, nur 120 konnte man retten. Er hat sich
an einen Holzbalken geklammert und ihn verteidigt, sonst wäre er wohl auch
untergegangen. Viele, besonders Ältere, Frauen und natürlich die
Kinder können nicht schwimmen, auch nicht die meisten Fischer! 18 h lang trieb er zwischen Leichen, die er für eingeschlafen
hielt und es erst merkte, als er sie wachrütteln wollte. Eine Woche lag er dann
mit einer starken Unterkühlung im Krankenhaus, der Staat hat es immerhin
bezahlt. Da auch der Kapitän ertrunken ist, richten sich nun alle Prozesse
gegen den Maschinisten, der anscheinend als einziger von der Besatzung überlebt
hat. Bei ihm wird aber wohl kein Geld zu holen sein.
Resultat des Untergangs: es fährt ein relativ neues, gut ausgestattetes Boot, bis auch das
anfangen wird nach indonesischer Art der nicht lukrativen Investition zu verrotten - siehe
Agape
I-III.
Urplötzlich kommt Bewegung in das Dorf. Alles drängt zum Pier. Das tägliche Passagierschiff aus Ampana, auf dem südöstlichen Sulawesiarm liegend, und die wöchentliche KM Puspita Sari mit Fahrtziel zum nördlichen Arm, an der die große Hafenstadt Gorontalo liegt, lassen schon von weitem ihre Schiffssirenen ertönen und legen fast gleichzeitig an. Die Puspita ist für 180 Personen zugelassen, aber es passen auch mehr drauf. Schon vor einer Stunde haben fliegende Händler ihre kleinen Unterstände aufgebaut, drapieren schnell mit einigen Handgriffen noch ein wenig um, setzen sich dann wieder in den Schatten, fächeln sich zu und hoffen auf das Geschäft.
Aus normalen Menschen werden auf einmal
Beamte, der unscheinbare junge Mann auf der Straße zieht sich schnell das Armee- über das Unterhemd, in
dem er bis jetzt herumgelaufen ist, die zwei oberkörperfreien
Schachspieler denken zwar nicht daran das Spiel zu unterbrechen, schlüpfen aber
schon einmal in ihre Uniformen und
entpuppen sich als Dorfsheriffs. Ich hatte mich
schon über die Pistolen gewundert. Mein Gegenüber entlarvt sich als Hafenmeister -
da reicht schon ein Käppi mit Abzeichen und eine phantasievolle goldene
Marinestickerei auf dem Schirm. Weil es zuvor ein kleines, lustiges Missverständnis
gab, hatte ich ihm gegenüber ein indonesisches Sprichwort
zum Besten gegeben:
lain desa - lain adat, lain sawah - lain belalang (andere Dörfer - andere
Sitten, andere Reisfelder - andere Heuschrecken). Er freute sich sichtlich über
mein Bemühen ein wenig indonesisch zu sprechen, konterte und entschuldigte mich
damit freundlich gemeint im Nachhinein mit: lain ikan - lain laut (andere Fische -
anderes Meer). So sind sie, die Indonesier, anfangs oft reserviert, selten
nachtragend.
Etliche Bewohner wollen die Fähre nutzen,
einige holen Verwandte und Bekannte, die Post oder georderte Waren ab
bzw. geben sie mit. Andere
wollen nur zugucken, denn was gibt es in Wakai sonst schon aufregendes zu
erleben, außer dem Fußballspiel in der letzten Nacht, als Griechenland gegen
Portugal Weltmeister wurde. Dass es sich nur um die Europameisterschaft
handelte interessiert keinen, dass Griechenland gewann macht jeden glücklich,
keiner kann aber so genau erklären warum. So sind sie die Indonesier, leicht zu
begeistern und das gibt sich auch rasch wieder.
Vielleicht sind ja auch wieder Langnasen auf dem Fährschiff, dies ist ihre Zeit alleine oder in Rudeln über die Inselwelt herzufallen. Über die kann man sich lustig machen, denn die verstehen eh nix und grinsen noch dabei. Einige Jugendliche, vor allem in der Halbstarkenfraktion, haben sich aber schon den Stil unserer westlichen Kids zugelegt und können auch mal penetrant frech werden, besonders wenn sie sich in ihrer Sprache unverstanden glauben. Böse Blicke mit einigen Worten in indonesisch über unhöfliches Verhalten bewirken aber oft noch Peinlichkeit und Entschuldigungen. Verlassen kann man sich darauf aber nicht mehr überall.
Oft kann man sich auch
amüsieren, wie die orang putih (Mensch weiß) händerudernd sich zu den
Dorfeinwohnern hinabbeugen, nach irgendwelchen seltsamen Dingen fragen.
Extra für die Ausländer gibt es jetzt auch in einem Laden Klopapier (tissue kamar
kecil = Weichpapier Kammer klein) zu kaufen. Wir hier brauchen es
nicht, "we do it in a different way", darum benutzen wir - Besteck
wird kaum verwendet - auch nie die linke Hand zum Essen.
Oft nutzen sie die kurze Zeit, um kaputte Hütten, schmutzige Kinder, sich selbst
und sogar die Bendis zu fotografieren. Auch den ehrwürdigen Bura und seine Frau
Dewi fotografieren sie gerne, ohne sie allerdings vorher respektvoll und unterwürfig zu fragen. Bura ist schon so alt, dass er seit vielen Jahren nicht mehr arbeiten kann. Seine
vielen Söhne, Töchter, Enkel und Urenkel sorgen sich jetzt um ihn. Mit seinen
Ururenkeln fährt er sogar manchmal noch mit dem Boot hinaus zum Fischen. Er ist
der einzige, der noch Fische fängt, wenn keiner mehr weiß wo sie sind. Und das
will er seinen Kindeskindern unbedingt beibringen - ohne Dynamit, das gehört
sich nicht für einen guten und anständigen Fischer, der das Meer und seine
Früchte liebt, so sagt er. Keiner im Dorf ist so alt, man sagt, dass er als
Kind noch den Mann gekannt hat, der hier die ersten Kokosnusspalmen pflanzte. Und so sieht auch sein Gesicht aus, wie eine alte,
vertrocknete Kokosnuss. Und Zähne hat er auch nicht mehr, die Hände und
Fußsohlen zerrissen wie altes, getrocknetes Leder und seine Augen sind ganz
trübe. Aber sie leuchten, wenn er aus seiner Erinnerung unendliche viele
Geschichten erzählen kann. Keiner würde es wagen über ihn zu lachen, auch nicht die Touristen. Sie scheinen zu merken, dass er was
besonderes ist, vielleicht fotografieren sie ihn und seine Frau deshalb.
Besonders mögen die
Touristen das "Hello
Mister" - komischerweise viele ihrer unheimlich großen Frauen nicht, die
gucken dann ganz böse und sagen irgendwas von "Misses" -, dann grüßen sie lächelnd zurück oder winken artig, einige kramen einige
Bruchstücke bahasa indonesia hervor und sprechen das manchmal zum Schreien
komisch aus. Vor
allem die Kinder haben dann ihren Spaß und lachen sich kaputt: "Hast du das gehört?
Hast du
den gesehen?". Zu Hause erzählen sie dann von den
Außerirdischen, die direkt mit ihnen gesprochen haben aber keine waren, denn
die kennt man genauer von den Videofilmen oder aus dem Satelliten-TV vom
Bürgermeister, der den Fernseher ab und zu in das Fenster stellt, so dass man
von der Straße aus gucken kann.
Gelegentlich fällt auch etwas
Arbeit ab, wenn einige Meter einer der schweren Rucksäcke getragen werden kann.
Besser
ist es aber, man nimmt sofort den kleinen oder den von der Frau, dann können
sie einem den schweren nicht mehr aufdrängen und man bekommt trotzdem Geld. Nicht immer, aber manchmal richtig viel.
Die hat man von den Behörden als Gegenleistung bekommen,
um in dem neuen
Meeresschutzgebiet nördlich von Kadidiri nicht mehr zu bomben. Die Polizei hat
aber noch nicht das zugesagte Patrouillenboot, um das auch allen klar zu machen. Und so wird nach dem
Freitagsgebet in der Moschee neues Dynamit organisiert, in der Regel beim Militär oder der Polizei. So sind
sie, die Indonesier. Fast täglich erlebe ich diese unsinnige Form des
"Fischens"! Eine Explosion beim Schnorcheln war so laut, ich dachte im
ersten Augenblick an einen Schuss oder geplatzten Druckschlauch eines Tauchers.
Dann verspürte ich eine Druckwelle, so dass ich
erschrocken aus dem Wasser kam, um wenige Minuten später eine dumpfe, deutlich
sehr weit entfernte Explosion Richtung Katupat zu hören. Erstaunlich, wie gut sich Schallwellen
unter Wasser ausbreiten, ich dachte, die sind direkt neben mir. Die erste Bombe
wird meist nur knapp bemessen, um kleine
Fische zu töten. Die locken die gewinnträchtigeren, größere Kannibalen an.
Dann wird die größere Sprengladung geworfen. Kein Wunder, dass man so manchen
Fischer mit amputierter Hand antrifft! Dass damit Korallen, Fischbrut und ihr
Habitat zerstört wird, spielt bei dem kurzfristigen Profitdenken keine Rolle.
So sind sie.
Dienstag, 3.8.2004, 13.40 Uhr. Ich sitze auf meinem Balkon
im Kadidiri Paradise und tippe, als
eine heftige Explosion den Bungalow erzittern lässt und das Niedrigwasser über
dem Korallendach stellenweise aufsprüht. 5 Minuten später erfolgt eine
weitere, die Richtung deutet auf das etwa 4 km entfernte Hausriff hin, wo 4 kleine
Fischerboote auszumachen sind, drei davon ziemlich eng zusammen in der Nähe von
Taipih Wall. Unglaublich, was die hier veranstalten!!
Es dauert gute zwei Stunden, bis im Hafen von Wakai endlich alles geregelt ist und die Schiffe sich wieder trollen. Kurz darauf verläuft die Menge und das Inselhauptstädtchen döst wieder vor sich hin. Ich muss mit einem kleinen Boot weiter, zu der nördlich vorgelagerten Insel Kadidiri ins Paradies, so heißt mein neues Zuhause.
Die Gruppe der Togians liegen in der weiten Tomini Bucht und besteht von West nach Ost aus den Hauptinseln Batudaka mit Wakai als Hauptstadt im Nordosten und der kleinen Siedlung Bomba im Südwesten, Togian mit Katupat, Talatakoh und den noch weiter östlich liegenden Inseln Waleakodi mit Dolong und Waleabahi. Una-Una komplettiert im Norden - auch wenn per Definition nicht mehr dazu gerechnet -, dazwischen liegen überall kleine und kleinste Inseln und über dem Wasser aufragende Felsen. Alle liegen bei etwa 0.2° S, nur 21 Seemeilen (von Kadidiri), also einen Hauch südlich des Äquators. Mit täglichen kurzen Schauern über den ganzen Tag verteilt, besonders am frühen Nachmittag und späten Abend, muss auch in der sog. Trockenzeit laufend gerechnet werden. Der östliche Festlandarm mit seiner bis zu 3400 m hohen Bergkette ist normalerweise eine natürliche Barriere für den Südostmonsun, der von April bis September den Molukken, Banggai-Inseln und der Südküste bei Luwuk die Regenzeit beschert. Nur bei einem starken Monsun (z.B. Mitte Juli bis Mitte August 2004 schwappten unregelmäßig und ungewohnt viele Regenwolken über mehrere Wochen bis zu den Togians und sorgten oft für trüben Himmel) gibt es stunden- bis halbtagelangen Regen und / oder bedeckten Himmel. Dies ist eine Ausnahme, normalerweise herrscht strahlend blauer Himmel mit einigen Wölkchen. Es ist normalerweise eine gute Reisezeit, aber auch im europäischen Herbst und Winter gibt es keine ausgeprägte Regenzeit.
Das wichtigste zuerst: es gibt in Wakai in einem Wartel, rechts die Straße vom Pier heruntergehen, kurz vor dem Markt, das einzige Telefon mit internationaler Verbindung weit und breit. Sonntagmorgen ist Markt.
Geht man vom Anleger die rechts Straße hinunter, findet man nach 50 m direkt benachbart die kleinen Restaurants RM Kululiu und RM Rizcy, beide sicher die mehr oder weniger attraktivsten in der Stadt. An dieser Küstenstraße liegen alle wichtigen wenn auch kleinen Geschäfte und der Markt, am Ende führt 500 m links eine geteerte Straße zu den
Alle Preise auf den Inseln sind deutlich höher, insbesondere in den touristischen Unterkünften, vor allem was wir an ungewöhnlichen Dingen, wie z.B. Klopapier, benötigen. Dies lässt nicht allein durch die Transportwege erklären. Offensichtlich wird ein Nebengeschäft installiert, um so die relativ niedrigen Übernachtungskosten zu kompensieren. Beispielsweise muss man sich darauf einstellen für Toilettenpapier 5000 (Geschäft Wakai 3000 / Geschäft Manado oder Gorontalo 1400) Softdrinks 5000 (3500 / 2500), 1½ l Wasser 6000 (3000 / 2100) großes, immerhin meist kühles Bier 20.000 (nicht erhältlich / 9 500). Diese schon halsabscheiderischen Preise gelten z.B. auch für einfache Moskito-Coils, Autan, Sonnenmilch, Batterien, süße Snacks usw.. Wie ich allerdings hörte, sind z.B. für Bier in Gorontalo eine Art Steuern - oder wollte man mir sagen Schmiergelder? - abzuführen. Wieso das Wasser allerdings so teuer ist?
Es ist immer noch mit Malaria
(in erster Linie tertiana) in diesem Großraum zu rechnen! Stiche habe ich allerdings weniger auf
den Inseln abgekommen (was nach Regen anders aussehen kann) als vielmehr im Van auf der Fahrt von Pagimana nach
Bunta.
Die unter dem Link genannten Standby-Medikamente - zumindest Expositionsprophylaxen
- sind angebracht, da
kompetente ärztliche Versorgung weit entfernt ist!! Auch Typhus
wurde in der Krankenstation von Wakai bei einer Touristin diagnostiziert! Bei Verdacht (z.B. Schüttelfrost) sollte man hier
(dazu ist man mit einiger Sicherheit in der Lage) sofort einen Bluttest auf
Malaria durchführen lassen, ggf. nach Singapur ausfliegen. Dort kann ich das
Gleneagles Medical Centre sehr empfehlen.
Auch Dengue
ist ein ernst zu nehmenden Thema! Ich habe mehrfach Stechmücken erschlagen, die
der Gattung Aedes
aegypti sehr ähnlich sahen und vermutlich gab es unter den Touristen in meinem
sechswöchigen Aufenthalt zwei Fälle. Sandfliegen
/-mücken können an bestimmten Tagen ebenfalls lästig werden.
Eigene Schnorchelausrüstung sollte unbedingt mitgebracht werden, auch wenn in den Tauchbasen Material geliehen werden kann, u.U. ist es bei größerem Andrang nicht ausreichend, in den privaten Unterkünften nicht immer vorhanden oder in schlechtem Zustand / Qualität.
Boote zu den touristischen Unterkünften auf Kadidiri warten in der Regel am
Pier. Nach Bunta ist, wenn nicht vorgebucht, ein Boot zu chartern.
Ein Boot nach Gorontalo (55.000 zzgl. 55.000 für einen der wenigen
engen und stickigen Kojenplätze, daher sofort an Bord nachfragen - am besten
frühzeitig über die Unterkunft
reservieren lassen!) fährt Mo gegen 10 Uhr ab Ampana, zwischen 15 - 16 Uhr ab
Wakai. Sa geht es über
Katupat und Malengeh nur bis Dolong. Reisebericht
und Anmerkung zum Boot.
Täglich (meist nicht Fr, Sa fifty:fifty) gegen 10 Uhr fährt ein Boot nach Ampana, das etwa 4 h benötigt. 2001
ist auch dieser Vorläufer abgesoffen.
Die Fahrt kostet normal 23.000, z.Z. ist allerdings ein Konkurrenzschiff
unterwegs und man beharkt sich gegenseitig mit Dumpingpreisen, im Augenblick
(8/2004) kostet es nur 10.000. Es fährt auch alle zwei Tage im Wechsel ein
Schnellboot von Ampana (10 Uhr) über Wakai (ca. 13 Uhr) bis Dolong und zurück
über Wakai (10 Uhr) nach Ampana für z.Z. 25.000 (vor
dem Dumping 30.000) in der halben Zeit.
Von Wakai oder den Unterkünften können Boote nach Bunta gechartet
werden, um Pagimana oder Luwuk
zu erreichen. Kleine Boote kosten um die 350.000, das große von Blue Marlin 800.000, es lohnt sich also nur für entsprechende Gruppen. Bei schlechtem Wetter ist
von den kleineren Booten unbedingt abzuraten. Lebensgefahr!! Je nach Wellenhöhe
eignen sich dann auch die größeren Boote nicht mehr!
Weiterfahrt von Ampana nach Poso und Palu, sowie Luwuk siehe hier.
Ein langer Strand an der nördlichen Küste der Pulau Togian
vorgelagerten Insel ist der derzeitig am stärksten
frequentierten Standort für Taucher. Wie bei allen Unterkünften verstehen sich
die Preise pro Person incl. 3 Mahlzeiten und i.d.R. freiem Tee und Kaffee. Cash in € und $
sowie TC werden zu schlechten Wechselkursen angenommen. Ältere $ als 2001 werden oft nicht
akzeptiert, ansonsten gelten die in
Indonesien üblichen Einschränkungen wie: die Noten haben gebügelt
zu sein
und sollten am besten direkt aus der Druckerei kommen. Bei den privaten
Unterkünften sollten Rp mitgebracht werden. Auf den Inseln gibt es keine Banken, kein Internet oder Netz
für Handys, nur ein Telefon in Wakai!
Die letzte Möglichkeit an ATMs zu kommen ist in Gorontalo, Luwuk und Poso.
In vielen Zimmern gibt es keine Steckdosen. Eine Lösung
für wenig Rupiah findet sich in Wakai.
Jegliche Nahrungsmittel sollten rattensicher aufgehängt (mind. ½ m lange
Schnur, ½ m Abstand von Wand u.ä.) und ameisendicht verschlossen
werden!
Tauchpreise werden in $ (neuerdings, wie mir 2008 gemailt wurde in €) abgerechnet. Die Wechselkurse liegen überall deutlich
unter denen der Banken. Ein Umrechnungskurs von Kauf 1 $ = 8000 Rp (zur gleichen Zeit
[2004] 8600 bei der Bank
in Gorontalo), Verkauf 1 $ = 9500 Rp (Bank 9000) wurde zu Grunde gelegt und somit ein ziemlich gutes Nebengeschäft
getätigt. Es lohnt sich also Geld (Rp und $ bzw. €) mitzunehmen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mich 2004 über 6 Wochen auf dieser Insel aufgehalten habe.

Über die Insel lässt sich ein Spaziergang zu abgeschiedenen Buchten westlich machen, es führt ein schmaler Pfad hinter dem Pondok Hestari dorthin. Ansonsten herrscht dichter und steiler Sekundärwald mit Übergängen zu originärem Primärwald, durch den man sich nur schwer durchkämpfen kann. Mit entsprechender Ausrüstung ist es ein lohnenswertes Unternehmen, Großtiere fehlen allerdings. Ein Seeadler und ein Weißkopfrotmilan 91, die am frühen Morgen nach und späten Nachmittag von Norden kommend das Paradise überfliegen, gelegentlich ein Pärchen endemischer Helm-Hornvögel (Aceros cassidix) mit kräftig orangem Schnabel und weißen Schwanzfedern, Schwarze Kormorane und Papageiartige dürften für Ornithologen interessant sein. Auch die handballgroßen Kokosnusskrabben sind einen Ausflug wert.
Vor dem Strand liegt ein Korallenriff, das
sich zum Schnorcheln eignet. Der einzige sichere Durchgang bei Ebbe ist ein Bootskanal
links und rechts des Anlegerstegs, ansonsten setzt man mit dem Bauch auf dem Korallendach
auf und Schürfwunden heilen in
den Tropen sehr schlecht! Es fällt auf, dass
zwar recht viel und unterschiedlich Fisch vorhanden ist, allerdings gab es
zwischen den Korallenstöcken auch viel Schutt. Hier liegt aber seit einigen Jahren keine
Dynamitfischerei
mehr vor sondern Gedankenlosigkeit. Anker werden wild durch die Gegend geworfen und Fischer arbeiten sich
in der Dunkelheit mit langen Stangen die Küste entlang. Auch Stürme, wie der von
2003, als der Jetty zerlegt wurde, zeigen Wirkung. Nach beiden Seiten zur Bucht
hin wird der Korallenbestand deutlich besser. Zwischen den zwei
Felsen links gibt es auch noch einen sehr schmalen Bootskanal durch das Riffdach.
Ferner besteht noch ein schmaler rechts der Bucht, senkrecht von der äußersten
Schaukel
bei Kadidiri Paradise wegführend. Eine außergewöhnliche Schnorcheltour führt
nach rechts um die Spitze in die Mangrovenlagune, wo man einmal
völlig andere Unterwasserverhältnisse vorfindet. Die kleine Tour beginnt recht
unspektakulär entlang den Felsen, ohne das Korallendach zu überqueren.
Mit Glück findet man auf halber Strecke einen kleinen, ortstreuen Krokodilfisch. Entscheidet man sich zu einem Abstecher nach links, so findet man
ein kleines, künstliches Riff, das Michael nach und nach ausbauen will. Anschließend kann man
durch den folgenden Kanal
zur nächsten kleinen Insel schnorcheln. Neben einigen schönen Korallen und bunten
Nacktschnecken fallen vor allem ungewöhnlich große Hornhechte auf. Mit Glück
sieht man auch eine gebänderte Seeschlange
94.
Zurück zur anderen Seite schwimmt man ein wenig Richtung Lagunenmitte und kann
an einem großen Korallenstock eine recht
große, wunderschöne rote Gorgonie 166
in nur 1 m Tiefe bei Niedrigwasser zu
bewundern! (Nur eine Woche später ist ein einheimisches Schnellboot über die Gorgonie
gebrettert und hat sie zur Hälfte abrasiert!) Nachdem der Mangrovengürtel erreicht ist, muss man behutsam darauf
achten, nicht den Schlamm aufzuwirbeln. Belohnt wird man durch ungewöhnliche
Fische. Kurz vor dem Bootsanleger traf ich auch noch auf einen Riesenkugelfisch
von gut 50 cm Länge in nur 1 Meter Tiefe. Bewegt man sich ca. 150 m rechts vom Jetty
(genaue Position beim Tauchlehrer erfragen), so findet man zwischen 16 - 17 Uhr einen
seltenen "LSD"-Fisch (Synchiropus picturatus,
LSD-Leierfisch, bis 7 cm) bei den Mangroven. Er ist ein Verwandter
des Mandarinfisches.
Vor Taipih habe ich 1994 geschnorchelt und kann die Unterschiede leider
deutlich sehen: weite Teile des Korallendachs und der schräg abfallenden
Korallenwand vor dem Strand sind stark zerstört, große Korallenstöcke umgekippt und abgestorben,
viel Korallenschutt ist zu bemerken. Das sieht nur stellenweise nach alten Dynamittrichtern und
wildem Ankern aus, vielleicht waren Stürme mit tätig. Am östlichen Strandende bessert sich
zunehmend das Bild und man gerät in einen herrlichen Korallengarten. Bei dem nicht
seltenem Wellengang und dem aufgewirbelten Sand sinkt die Sicht allerdings recht stark bis auf knapp 5 m. Auf dem
weiteren Weg entlang der Nordseite bleibt es überwiegend sehr schön, größere
Sandflächen fehlen und die Sicht verbessert sich bis auf 15-20 m, dafür
tauchen in dem breiten Korallengarten und am niedrigen Dropoff immer wieder Bombentrichter auf.
Hier bestehen durchaus Chancen auf Schulen kleiner Barrakudas, kleine
Blaupunktstachelrochen, Schwarzspitzenhaie und großen Kugelfischen. Die westliche Spitze sollte man am
Dropoff umrunden, dort ist es
erheblich schöner als zur Insel hin, wo das Korallendach stark zerstört ist.
Einen schmaler Bootskanal
östlich des Anlegers
kann man benutzen, um das Korallendach zu überwinden, sonst den Jetty.
Schön Schnorcheln ist auch an einigen Tauchstellen (siehe dort), an Stränden auf
Kadidiri Richtung Wakai und um Bolilanga vor Katupat. Allerdings konzentriert sich an einigen vorgelagerten Riffen
zwischen Malengeh und Bolilanga auf Grund
geringerer Touristenzahlen und mangelnder Kontrolle das Dynamitfischen
und die Riffe I - III sind schon seit Jahren
zerstört.
Schnorchler werden in der Regel kostenlos auf den Tauchbooten mitgenommen,
sofern Platz vorhanden ist.
An allen Schnorchelstellen, mit Ausnahme vor dem Strand von Kadidiri, insbesondere bei den Tauchplätzen sind
sicherheitshalber Flossen mitzunehmen, da es öfter zu stärkeren Strömungen
kommen kann.
Die Anfangstauchpreise liegen um 25 $ und reduzieren sich bei mehreren Tauchgängen rasch.
Kostenloses Trinkwasser wird von den Basen nicht angeboten und ist
selber mitzunehmen. Bei Tagesausflügen gibt es das Essen an Bord.
Am 4-6 km entfernten Hausriff liegen mehrere ähnliche Tauchgebiete mit
Wänden und Korallengärten vor.
gelb = prima Schnorchelgebiet - Ausnahme bei extremen (!) Hochwasser oder sehr
starkem Wellengang
blass orange = mäßiges Schnorchelgebiet - gut bei Niedrigwasser
rötlich orange = bei Hochwasser schlechtes Schnorchelgebiet - bei
Niedrigwasser mäßig
blau = Tauchregionen (Unterwasserplateaus gelb hervorgehoben)
orange Regionen = mehr oder weniger unbekanntes Gebiet
Siehe auch: Dynamit und Cyanid - Fischen.
Am "The Gap" trifft man auf
einen abfallenden Hang mit der Chance auf Haie am Fuß in 50 - 55 m Tiefe. Es
folgt in 20 - 30 m Tiefe eine mehr oder weniger steile Wand mit einigen Makroobjekten (die
korrekterweise Mikro- heißen sollten), hier tauchen gelegentlich Adlerrochen 157 auf, vorwiegend vormittags
halten sich auch große Fischschwärme auf. Es besteht eine
gute Chance auf Bullenkopf-Papageienfische
124, die sich auf den ersten Blick mit Napoleons
60
verwechseln lassen, aber nicht näher verwandt sind. Wir treffen gleich eine ganze Schule von 8 auf dem Korallendach an, die größten
über einen halben Meter. Die Stelle ist für Schnorchler bei Hochwasser nicht so sehr geeignet.
Sehr schön ist "The lost reef", das bei unserem Weg zunächst ganz
unspektakulär in eine Sandfläche übergeht, an deren gegenüberliegenden Seite sich
ein weiterer Unterwasserkamm erhebt. Wir tauchen in 25 m am Fuß entlang, im
sandigen Auslauf lugen etliche Aale aus ihrer Röhre, es gibt viele große
Schwämme zu bewundern. Auf einmal "ruft" mich mein Buddy aufgeregt zu sich. Unter
ihm segelt langsam ein seltener und großer, wir schätzen später über 40 cm,
Asiatischer, Orient- oder Helm-Knurrhahn 123,
der seinen Körper scheinbar von einem Igelfisch und die segelartigen Flossen von einer
Mischung aus Stein- und Skorpionfisch geliehen hat. Wenige Minuten später schaue ich über
einen Korallenstock in die Ferne und bemerke zunächst gar nicht die große
Sepie
53,
die einen Meter von mir entfernt dahinter lauert und laufend ihre
Farbe und Oberflächenstruktur ändert, bis sie plötzlich
erschreckt
erbleicht. Da sie keinerlei Fluchtanstalten unternimmt, lasse ich mich
langsam auf sie zutreiben und kann es mir entgegen aller Regeln nicht verkneifen sie sanft zu
streicheln. Vollkommen überrascht bin ich über die harte Haut,
eigentlich hatte ich eine weiche erwartet. Sie lässt es mit sich geschehen,
gewinnt ihre alte Farbe alsbald zurück und
wendet sich nicht ab. Wir lassen sie in Ruhe und schauen uns auf dem Weg nach
oben in Ruhe die wunderschönen Korallen und vielfältigen Fischschulen an, als
wir mehrfach hintereinander heftige Explosionen hören. Eine Druckwelle meine
ich sogar verspürt zu haben. Da sind sie also wieder, die geistig umnachteten Dynamitfischer. Wir sind schon einige Minuten im
Safty-Stop, der letzte Blick
auf mein Finimeter
zeigt mir 30 bar an, als wenige Atemzüge später plötzlich der Luftstrom
stoppt. Hastig greife ich nach meinem Oktopus - nichts und das Finimeter steht auf Null. Fast panisch schwimme ich zu
meinem Buddy und frage erst gar nicht
lange nach Luft. Kontrolliert bringt er mich an die Oberfläche. Das ist noch
einmal gut gegangen, ein Notaufstieg war auch noch möglich, aber was wäre in
25 m oder gar 40 m Tiefe gewesen? Dies war eine Warnung und wird mich lehren,
künftig wieder näher an meinem Tauchpartner zu bleiben, schließlich hatte ich
den Atemzug mehr als dringend nötig.
Auf dem Schiff
wartet eine Überraschung auf mich. Nach Demontage der ersten Stufe, mehrmaligem Öffnen und Schließen der
Flasche (die eindeutig Druck signalisiert) sind nach erneuter Montage auf einmal wieder 25 bar vorhanden und der Luftstrom ist einwandfrei! Großes Rätselraten, hat vielleicht die 1. Stufe
versagt? Aber bei
dieser Nobelmarke und erst vor 60 Tauchgängen gewartet? Bleibt eigentlich nur
noch ein Verklemmen des Ventils an der Druckflasche, was ich mir ebenfalls kaum
vorstellen kann. Ohne Vorwürfe zu erheben wollte
ich die Ursache ermitteln. Dabei wurde ich in einer hier nicht genannten Tauchbasis
(nicht das Paradise!) gezielt desinformiert,
bis ich
nach späterer Rückfrage bei meinem Händler herausfand, dass aus physikalisch-technischen Gründen
mein eigener Automat unmöglich in der Lage ist zu schließen, höchstens einen
unkontrollierten Luftausstrom - "overflow"-
produzieren kann (wie es im PADI-Ausbildungsbuch steht!). Somit kam nur das Ventil der Luftdruckflasche in Frage. Konfrontiert
bekam ich die etwas zu rasche und heftige Antwort: "Die
Druckflaschen werden peinlichst kontrolliert, Fehler können bei uns nicht auftreten,
wir können sofort alle Flaschen überprüfen." Nach dieser Ansicht hat mein Automat sich entgegen den
technischen und Naturgesetzen verhalten! Wie ich später erfuhr, kann dies
passieren, wenn das Ventil der Druckflasche häufig überstark zugedreht wird
(was bei mir der Fall war) und vor dem Tauchgang nicht vollständig geöffnet
wird (statt ¼ von der totalen Öffnung hatte ich gut ¾ zurückgedreht).
Für Schnorchler ist das Gebiet nur bei Niedrigwasser
interessant, sonst zu tief und hat auch manchmal eine starke Oberflächenströmung. Ein
Schnorchler berichtet von etlichen Dynamittrichtern.
Am Mini Canyon gibt es gute Chancen auf größere Bullenkopf-Papageienfische
und große Fischschwärme. Die Tauchstelle beeindruckt durch schöne
Wandabschnitte und einem herrlichen Korallengarten am Auftauchplatz in nur knapp
3 m Tiefe, was somit auch für Schnorchler geeignet ist. Allerdings herrschte
eine ordentliche Strömung; um in ruhigeres Wasser in 8 m Tiefe zu geraten benötigten wir 4 - 5
min und ich fast 30 bar!
Unterhalb des Einstiegs liegt ein gespaltener Fels "The crack"
und führt in ein Tieftauchgebiet mit einem Durchschlupf bei etwa 50 m. Hier
trifft man oft auf Riffhaie
70, ggf. große Barrakudas, seltener Mantas
44. Die
aufsteigende Strömung ist manchmal sehr stark und noch am besten um den
höchsten oder niedrigsten Tidenstand. Mit einem Dekompressionstauchgang muss
gerechnet werden.

Rotfeuerfisch 103
© Hanna Gawron
Häufig gesehen und endlich (!) mal erfahren was es genau ist. Eine blaugrün bis schwarz, metallisch bzw. gläsern glänzende Kugel von einigen cm Durchmessern und recht hart: Das ist des Sailor's Eyeball (Blasenalge) 120. Es handelt es sich um eine Grünalge, die aus nur einer einzigen, viele Zellkerne enthaltende Zelle besteht, die mit einer harten Außenhülle versehen ist. Es ist damit eine der größten Zellen der Welt.
Mein Favorit ist ohne Zweifel "Taipih Wall". Glück haben wir
natürlich, als beim Abstieg sich eine kleine Schildkröte mit 2 Schiffshaltern
davon macht, ansonsten sind sie hier sehr selten, adulte werden kaum beobachtet.
Auch eine Sepie, der man auf Zentimeter nahe kommen kann, dann aber
blitzschnell 5 m Abstand sucht, ist nicht alltäglich; wohl aber größere Bullenkopf-Papageienfische,
Schwärme von Füselieren und Schnappern. Die gut bewachsene Wand endet in einer
ersten Stufe zunächst auf 20 m, um dann nochmals auf über 30 m abzufallen. Im
weiteren Verlauf zeigen sich in 12 - 18 m Tiefe mehrere kehlartige
Vertiefungen. Hier kann man sich nochmals über die seltsame Orientierung der
Fische wundern, die der Decke bauchzugewandt schwimmen. Mit
Glück findet man schöne Operkuli.
Es herrscht eine sehr starke Strömung, die für einen an diesem Tag etwas zu schnellen
Driftgang genutzt wurde.
Alternativ kann man in das Gebiet "Labyrinth" abzweigen, dass
vielfältige Wegalternativen auf unterschiedlichen Tiefenniveaus bietet.
Im sandigen Auftauchgebiet "Coralgarden" sind nicht nur für
einen schönen Safety-Stopp einige entspannenden Minuten zwischen den
Korallenstöcken lohnenswert.
Eine Gruppe hatte dabei das Glück, einen über 1 m großen Zackenbarsch aus
nächster Nähe zu bewundern. Schnorchler
sind hier ebenfalls recht gut aufgehoben. Einige Dynamittrichter stören den herrliche
Korallengarten.
Ein Genusstauchen für Ruhige und Farbenliebhaber stellt "The Kota Plateau" dar. Wie der Name schon
andeutet, befindet sich die tiefste Stelle des schönen Unterwassergarten bei
ca. 16 m. Mit Glück trifft man auf einen Adlerrochen.

Barakkuda © Hanna Gawron
Ein Highlight ist ein Tagesausflug zu der 30 km entfernten Insel Una-Una, von hier sind es noch 12 km nach Norden bis zum Äquator. Weit ab jeglicher menschlicher Einflüsse hat sich eine beeindruckende Unterwasserwelt erhalten. Um Vollmond muss mit stärkerer Strömung gerechnet werden, insbesondere bei "Apollo", auch als "Barracuda-Point" bekannt, einem wenige Meter breiten Unterwasserriff in 20 - 30 m Tiefe. Dann kann einem schon mal der Automat aus dem Mund geblasen werden, während es an anderen Tagen absolut "windstill" ist. Wie der Name schon sagt, sind Barrakudas hier die Hauptattraktion. Während meines Besuchs hielt sich "nur" eine gute Hundertschaft der fast halbmeterlangen Räuber auf, es sollen auch dreistellige Zahlen gesichtet worden sein. Andere Fischschulen, Korallen und Schwämme, Muränen und ein Fangschreckenkrebs komplettierten den schönen Tauchgang. Bei starker Strömung kann sich der Aufstieg über die 15 Höhenmeter bis zum Safty-Stopp entlang des Sandhangs problematisch gestalten, wenn man nicht guter Kondition ist und Paroli bieten kann.

Großaugen-Makrelen
107
© Hanna Gawron
Ein absoluter Traum ist "Fischermania" / "Pinnocle", man hat das Gefühl in einer riesigen Fischsuppenterrine zu schweben. Umgeben von so viel Fisch war ich auf meinen vielfältigen Tauchgängen sehr selten und konnte mich nicht entscheiden worauf ich zuerst fokussieren sollte. Auf den Adlerrochen 157 fiel es mir noch leicht, zumal er uns sehr nahe kam. Riesige Schulen von neugierigen Großaugen-Makrelen 107, kleinere Napoleons 60, Bullenkopf-Papageienfische 124, große Straßenkehrer, Schwärme um Schwärme, schließlich noch eine Schildkröte. Ein einmaliges Tauchgebiet, dem nur der Makel anhaftet, dass das immer noch praktizierte Dynamitfischen deutlich sichtbare Auswirkungen insbesondere auf dem Plateau hinterlässt. Auch war die Sicht etwas geringer als gewohnt, vermutlich bedingt durch die langen Sandstrände. Zur Abrundung des Ausflugs hat uns dann auf der Rückfahrt noch eine große Delfinschule gekreuzt.

Indon. lumba-lumba
Für Schnorchler ist die Strömung oft so
stark, dass Flossen unbedingt zu empfehlen sind. Auch sind bei Hochwasser die Korallen
im ersten Tauchgebiet gar nicht zu sehen, im zweiten etwas tief.
Die Insel selber kann - offiziell - nur mit einer Erlaubnis der Behörde in Wakai betreten werden, was 20.000 kostet. Auch wird man gedrängt
deren Boot zu nutzen. Besser, man schließt sich einer Tauchgruppe
an. Ein dreistündiger Marsch zu dem weiterhin aktiven, 504 m hohen Vulkan Gunung
Colo im Inselinneren ist möglich, aber wegen ständiger Eruptionsgefahr
nicht ungefährlich; eine Übernachtung praktisch vorprogrammiert - wer holt
einen dann ab?
Nach einem starken Ausbruch im Juli 1983 wurden sämtliche Einwohner evakuiert. Offiziell herrscht
weiter ein Siedlungsverbot, um die 300 Indonesier wohnen und arbeiten aber trotzdem
unbehelligt. Tauchboote haben eine Gebühr von 50.000 bei dem Posten in
Terpadu II zur Betretung des Schutzgebietes zu zahlen, obwohl gar keins
existiert! Hier füllt jemand wieder mal seinen privaten Sparstrumpf auf.
Von der südlichen Küste aus, die Insel wird per Definition nicht mehr dazu
gerechnet, hat man einen einzigartigen Blick über die gesamte
Inselgruppe der Togians. Man erkennt am Horizont bei klarer Luft sogar das südliche und das
nördliche Festland Sulawesis.
Für den Trip sollte man abwarten bis genügend Leute
zusammenkommen, der Charterpreis beläuft sich auf 300 - 350.000 Rp.
Allgemein ist die Sicht an allen Tauchstellen (Schnorchelstellen etwas geringer) i.d.R. mit ± 20 m gut, geringer in der Mangrovenlagune und am Bomber. Durch die vielen Sandflächen herrscht für Schnorchler eine eigenartige Swimmingpoolstimmung mit türkisem Lichtspiel. Mit 29°C war das Wasser bis in 30 m Tiefe ungewöhnlich warm, meist gab es erst noch tiefer eine leichte Sprungschicht.
Im Mai 1945 war es Ziel der gemeinsamen Streitkräfte von
Australien und den USA durch
eine Invasion, beginnend auf der Insel Tarakan vor der Nordostküste Borneos, die
Kontrolle über wichtige Ölfelder zurück zu gewinnen. Die Luftwaffe hatte seit Ende
April die Aufgabe, japanische Rollbahnen und Stützpunkte auf Borneo und
Sulawesi zu zerstören.
Dabei betrieb der Krieg auch einige Stilblüten. Eine Besatzung sichtete zwei
auffallende Streifen unter Wasser hinter einem Versorgungsschiff und warf zwei
365 lbs schwere Bomben ab. Anschließend reichten sie ein Gesuch ein, in dem sie
nachträglich um Genehmigung baten außerhalb der Jagdzeit Wale zu erlegen.
Freitag, früher Nachmittag, 3. Mai 1945. (Laienhafte und komprimierte
Übersetzung des mir vorliegenden originalen Schadensprotokolls.)
Bei einem ungewöhnlicherweise namenlosen B 24 Liberty - Bomber des 307. Bomberschwadrons der USA bricht anderthalb Stunden vor dem
Angriffsziel über der Bone-Bucht (zwischen den beiden südlichen Festlandarmen
Sulawesis) im ersten Motor rechts Feuer aus. Der Pilot Lt. Etheridge stellt die Treibstoffzufuhr ab,
aber weder die automatische Löschanlage noch der Fahrtwind bringen die
Situation unter Kontrolle. Für eine Rückkehr zur Basis mit nur drei Motoren
bei heraufgesetzter Leistung fehlt nach eiligen Berechnungen der Treibstoff. Dichter Bewuchs, stark
zerklüftetes Gelände und weitere Variablen lassen nur eine riskante Wasserung in der Tomini
Bucht bei den Togian Inseln zu. Funker Lt. Chamberlain nimmt Kontakt mit der Bodenstation in Moratai auf
und informiert über den bevorstehenden Crash,
während die Mannschaft dabei ist Bomben und sämtliche Munition samt zwei
Bord-MG's, alle Fenster und Gegenstände über Bord zu werfen, die bei einem
Aufprall Crewmitglieder gefährden könnten. Nur überlebensnotwendige
Ausrüstung wird zurückgehalten. Auf der
Nordseite der Togian-Insel ist es heute zu rau, also wird auf der Südseite eine
Landestelle ausgemacht und zweimal in 2000 Fuß
überflogen. Alle Besatzungsmitglieder tragen Winterausrüstung um die Wucht des
Aufpralls etwas zu mildern und haben sich nach Notfallanweisung gegenseitig gesichert.
Im späteren Protokoll wird u.a. detailliert aufgeführt: "Der
Maschinist saß zwischen den Beinen des Bug- und des Heckschützens, Gesicht achtern.". Bis fünf Fuß über Wasser beträgt die Geschwindigkeit
115 mph, dann wird die Motorenleistung verringert.

B24 - Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Gille, www.wallacea-divecruise.com, ©
Thomas Reich
![]() |
Ein langer Alarmton warnt letztmalig die Crew, dann setzt die Maschine mit 95 mph auf. Lt. Etheridge muss ein guter Pilot gewesen sein, die Landung gelingt, das Flugzeug rauscht ungefähr 50 yards über die Wasseroberfläche bevor es zum Stillstand kommt. In einer Minute haben sich alle außerhalb des Bombers in zwei Schlauchbooten in Sicherheit gebracht, jeder denkt die Maschine geht in Minuten unter, keiner ahnt, das sie noch 1½ Stunden an der Oberfläche treiben wird. Es hat keine ernsthafte Verletzungen gegeben, von einigen Blessuren abgesehen. Nachdem die Verletzten versorgt sind, rettet man aus dem Wrack alle 6 Einmannrettungswesten, Dschungelkits, Blutplasma und Erste-Hilfe-Packungen. Schließlich heißt es noch im Report: "Alles geheim- und kryptografische Material wurde zerstört und versank in einem beschwerten Beutel auf vermutlich 40 Fuß Tiefe.". Noch vor dem Versinken wird die Mannschaft von einem großen wassernden Catalina-Rettungsflugzeug aufgenommen. |
| Fast genau 59 Jahre später. Die B 24 liegt unmarkiert einige Hundert Meter vor
der Küste in 17 - 24 m Tiefe flach auf dem Boden. Der Rumpf ist nordwestlich
ausgerichtet, die ganze Maschine noch erstaunlich gut erhalten.
Ein verbogener Propeller, ausgerechnet vom defekten Motor,
befindet sich noch an seinem Platz, die Reifen, putzt man sie ein wenig,
sehen aus als wären sie gestern erst versenkt worden, die rechte Reifenstütze
ist nach innen weggeknickt, die Kanzel des Bugschützen vermutlich beim Aufprall
weggebrochen.
Am Heck liegt noch ein Stück Plexiglas von der Kuppel des Bordschützen, über dem hinteren Flügel dümpeln am Leitwerk etliche Rotfeuerfische. Hinter dem Pilotensitz ruht ein mächtiger Zackenbarsch (ohne Fluglizenz) von fast einem Meter Länge, auf dem oberen Bug sind zwei Peitschenkorallen gewachsen, die dem Koloss das Aussehen eines riesigen Unterwassertieres mit Fühlern geben. Im Rumpf verstecken sich Fischschulen, auf dem linken Flügel thronen zwei mächtige Tonnenschwämme. Die zwei Maschinengewehrrohre über der Pilotenkanzel sind mit Blumentieren zugewachsen,
ich muss in dem Augenblick unwillkürlich an die 68iger denken. Über der Szene
drehen einige Hundert Großaugen-Makrelen 107
ihre Kreise. In den Jahrzehnten nach dem letzten ungehinderten Sonnenlicht hat eine Tier- und
Pflanzeninvasion der friedlichen Art den Bomber erobert. Eine zur Zerstörung gedachte Maschine ist Heimat
für neues und vielfältiges Leben geworden. |
|
Fast schon erschreckend pünktlich um 15.30 Uhr legen wir in Wakai ab. Eine
kleine Aufregung gibt es noch, als der Käpt'n per Lautsprecher bekannt gibt,
dass eine Fahrt von Ampana nach Wakai momentan nur noch 10.000 statt 23.000 Rp
kostet. Ein Konkurrenzschiff ist aufgetaucht und man beharkt sich nun
gegenseitig. Die Einheimischen haben ungläubig die Botschaft aufgenommen und
sich dann mit sichtbarer Freude die Hände gerieben.
Eine halbe Bootsstunde östlich von Kadidiri in Richtung Katupat findet man Karina-Beach.
Eine wunderschöne Badebuch wie aus dem Bilderbuch mit Palmen, Sandstrand, davor
sehenswertes türkisgrünes Wasser, das jeden Swimmingpool locker schlägt. Um die
nächste "Ecke" öffnet sich eine große, durch vorgelagerte Felseninseln gut geschützte Bucht, in der vor Jahren japanische Unternehmer
eine Perlenzucht aufgebaut haben. (45 Bootsminuten westlich von Wakai
gibt es noch eine.) Diese ist in
indonesische Hand übergegangen und scheint - ohne dem indonesischen
Geschäftssinn allzu viel Schlechtes unterstellen zu wollen - ihren Betrieb bald
einzustellen. Von Perlenverarbeitung ist hier bis auf die langen Reihen der
Schwimmkörper, an denen die Muscheln in Netzen hangen, nichts zu sehen,
alles scheint langsam zu verfallen.
Katupat, das wir nach einer knappen Dreiviertelstunde erreichen, wird
nur ein fünfzehnminütiger Aufenthalt gewährt, mehr scheint das seit 1994 um ein
Viertel vergrößerte Dorf mit inzwischen etwa 600 Einwohnern immer noch nicht herzugeben,
allerdings kam damals die
Fähre nur im Wechsel ab und an vorbei; also doch eine kleine Aufwertung. Am Pier
treffe ich überraschend, leider viel zu
kurz, unseren alten Bootsmann Saiful wieder, dem verblüffend eine verblasste
Wiedererkennung gelingt. Ich bin dazu nicht in der Lage - wie jedermann weiß.
Er fragt sogar nach meiner damaligen Begleitung, ich kann mich dumpf an ein
Flöhchen erinnern, doch das ist davon gehüpft und hat sich in ein Spatzerl verwandelt.
Sein Kollege Jafar erfreut sich der langen Daumenfingernägel, die anzeigen,
dass er körperliche Arbeit nicht mehr nötig hat. Inzwischen besitzt er eine
eigene Anlage auf der gegenüberliegenden Insel Pagempa
und hat sich zudem bis in ein staatliches Gremium hinaufgearbeitet, dass
versuchen will die Dynamitfischerei an den Wurzeln zu kappen. Das heißt konkret
es soll versucht werden die Sprengstoffbeschaffung und der anderen
notwendigen Materialien zu unterbinden. Schön wär's.
Der nächsten Stopp
ist auf der Insel Malengeh im "Malengeh Dorf". Zwar kleiner
als Katupat, dafür liegen mehrere Festmeter Holzbalken aus den
verbliebenen Wäldern auf dem Pier, die einer nach
dem anderen im Schiffsrumpf verstaut werden. Eine Stunde Aufenthalt habe ich
daraufhin großzügig kalkuliert, anderthalb wurden es schließlich. Wer noch
nie bei effektiv planloser Arbeit zugesehen hat, kommt voll auf seine
Kosten. Da werden Bretter mal nach links, mal nach rechts bewegt, halb ein-,
dann wieder ausgeladen und nach langer Zeit stellt sich heraus, dass die zwei
Arbeiter sechs Kollegen haben, die offensichtlich erst durchs Zuschauen
warm werden. Als alles fertig ist kommt die Krönung im Laufschritt: aus dem Nichts
eilen Lastenträger heran und wuchten große Säcke von den Schultern auf
den Pier. Es wird mir mein Lebtag unerklärlich bleiben, wieso das nicht schon
viel eher hätte passieren können. Jedenfalls bleiben wir dadurch noch eine
halbe Stunde länger. Es gibt zwar Unterkünfte,
aber leider kann auf der Insel nicht viel unternommen werden: es gibt keinen schönen, leicht zugänglichen Strand, aber einige gute Schnorchelmöglichkeiten.
Dafür soll es Führungen zu Tarsiern
(Link zum Nationalpark Sulawesi Nordostküste, siehe auch Bohol
/ Philippinen) geben, auf einen (redigierten) Bericht von Annie & Michael aus
Deutschland, für den
ich sehr dankbar bin, musste ich nur wenige Wochen warten.
Wir sind ca. eine Woche (8 / 2004) in Malengeh geblieben und es hat uns sehr gut gefallen. Das dortige Losmen besitzt einige Bungalows und ein kleines Restaurant auf einer kurzen Landzunge, wo wir eine phantastische Lagune mit Dschungel auf der einen und schönen Sandstrand auf der anderen Seite nur für uns hatten. Wir haben eine Expedition ins Innere der Insel organisiert aber die Tiere nur gehört und nicht gesehen. Dennoch würden wir Malengeh für die Affen und Vögel empfehlen. Es gibt nicht weit entfernt eine "Forschungsstation" mit einem sehr fähigen, netten Ranger, der allerdings nur indonesisch spricht. Um es kurz zu machen: wer Glück hat, sieht Tarsier auf Malengeh, ansonsten sind sie - fast mit Garantie - im 2 h von Manado entfernten Naturpark zu sehen. Dort sind Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden; es werden Safaris sehr früh morgens organisiert, die lohnenswert sind.
Schon seit einiger Zeit werde ich von einem Indonesier beobachtet, wie ich meine
Zigarettenstummel zwischen Plastikumhüllung und Schachtel sammle, um sie
bei nächster Gelegenheit in einer Mülltonne entsorgen zu können. Auf einmal
steht er stolz neben mir und präsentiert mir seine gesammelten Kippen.
Ich fasse es kaum, meine private Umweltaktion hat einen einheimischen Nachahmer
gefunden, 20 Jahre der unterschwelligen Gedankenverbreitung und endlich einen
Erfolg. Ich freue mich sichtlich und er sich über meine Freude. Ich denke noch,
dass er ein Multiplikator für seine Kollegen sein wird, als er sich von mir
verabschiedet, von Bord geht und dabei die leere Schachtel über die Reeling
wirft. Mir fällt es wie Schuppen aus den Haaren: ich hätte ihm auch zeigen
müssen, was man letztendlich damit anstellt. Na ja, vielleicht
finde ich in der nächsten Zeit noch einen.
Anschließend dampft die Puspita durch die nächtliche Inselwelt der Togians und über
mir breitet
sich ein prächtiger, mondloser Sternenhimmel aus. Deutlich sind der Große Wagen,
wenn auch in ungewohnter Ausrichtung, und
das Kreuz des Südens erkennbar. Am Horizont machen sich am nördlichen und
südöstlichen Arm Sulawesis heftige Gewitter bemerkbar. Darum denke ich
zunächst auch an Wolken bis mir auf einmal klar wird: DAS ist die (indon. =
tunjuk langin) Milchstraße! Wunderbar klar und bis in die feinsten Strukturen erkennbar. Der
Kohlensack versperrt den Blick auf das Zentrum, doch 100 Milliarden
entferntester Sterne lassen Phantasien aufkommen über Lebewesen, die wie ich
auf ihrem Planet unterwegs sind und in meine Richtung schauen. Nie war mir so
klar, dass ich das nächste Alien-Raumschiff sofort besteigen würde, selbst
wenn ich
niemals wieder zurückkehren könnte. Es warten im All so viele Wunder, dass die
Reise zu den abgelegenen Togians wie eine Fahrt von Bonn-Kessenich nach
Bonn-Endenich wirken muss. "Per Anhalter durch die Galaxis", das wäre wirklich noch
was. Am meisten hat mich an dem Buch aber die Antwort auf die Frage nach dem
Sinn des Lebens und allem anderen fasziniert. Mehrere Millionen Jahre
Rechenvorgang eines Hyper-Super-Computers einer hochentwickelten
Technozivilisation hat endlich das Ergebnis geliefert. Es lautet: 47!
Vielleicht
hilft das ja jemandem!
Gegen 21.30 Uhr laufen wir in den weiten natürlichen Hafen von Dolong ein.
Dieses damalige große Dorf hat sich zu einem kleinen Städtchen gemausert, entsprechend
geht es am Pier zu. Auch hier das gleiche Bild, ich rechne wieder mit zwei
Stunden Aufenthalt und soll diesmal fast recht behalten. Mitreisende können
sich während der Aufenthaltszeit in kleinen Hafenbuden verköstigen und das sind fast
ausschließlich die wenigen mitgereisten Touristen, Indonesier sind traditionelle
Selbstversorger. Das Essen ist relativ schmackhaft, Auswahl hat man nur
wenn man die Bude wechselt, die Portionen sind klein, die Preise dafür auch. Wir sind allerdings in einer moslemischen Stadt und das hat
natürlich fatale Auswirkungen auf ein kaltes wie auch warmes Bier - es gibt
keins. Letzte Station,
letzte Gelegenheit Proviant zu fassen.
Es ist der 4.7.2004. Gegen 22 Uhr blicke ich nach Nordwesten, wo noch immer
Schlechtwetter herrscht, währenddessen im Osten der Vollmond aufgeht. Und dann
zeichnet sich rückwärtig gegen die Regenwolken zunächst schwach, dann ein immer deutlich sichtbarer weißer (!) Mondregenbogen ab.
Ich bin fasziniert, der erste in meinem Leben.
Genau wie bei unserer Überfahrt vor 10 Jahren wird schließlich noch ein Moped auf
das Vorderdeck geschoben und gezerrt und festgezurrt. Na, wenn das mal nicht ein
böses Omen
ist. Damals haben wir um unser Leben gebangt, die Tauchanzüge lagen schon
bereit. Das Boot ächzte in seiner Konstruktion und tanzte bedenklich in den bis zu 3 m hohen
Wellen. Das einzige elektrische Gerät an Bord, mit Ausnahme der Beleuchtung,
war damals ein Radiokassettenrecorder im Ruderhaus. Kein Funk, kein Radar, kein
nix. Auf Rückfrage beschied uns der Kapitän, dass alles in Ordnung wäre, was
hätte er furchtsamen Mitreisenden auch sonst antworten sollen.
Immerhin ist dieses Mal das Moped fast nagelneu und der Funk des Schiffes auch. Mit
recht hoher Geschwindigkeit verlassen wir den sicheren Hafen und begeben uns auf
das offene Meer. Während sich alles endgültig schlafbereit macht, fange ich an
zu lesen, irgendwie muss man trotz dem Krach der Motoren ja mal müde werden. Um 1 Uhr denke ich
ist es soweit und hangle mich zu meiner Koje hoch. Fast wäre ich
tatsächlich eingeschlafen, hätte das Schiff nicht angefangen zu schlingern und
gieren. Über mir knarren die Holzbretter und Balken, unter mir erahne ich Agape I,
Agape II und Agape
III als künstliche Riffe auf dem Meeresgrund. Der Wellengang wird
stärker. Ich beschließe pinkeln zu gehen und die ersten Weichteile der Billig-Kollegen unter mir zucken
bei meinem Abstieg zurück. Während des Slaloms bis in
das Unterdeck schaue ich aus einem Fenster und bin beruhigt, die Wellen sind
höchsten einen Meter hoch. Fliegende Fische werden zu Hunderten aufgeschreckt,
schwirren durch die Nacht, bevor sie in ihr Element, genau genommen ist es ja nur im
aristotelischen Sinne eines, zurückkehren. Zurück in der Koje muss ich feststellen, dass Lesen doch
besser ist, ich bin noch immer nicht müde, die nächsten Körperteile der am Boden Entschlummerten müssen dran glauben. Das Boot scheint sich von Seite zu Seite
immer stärkeren Wellen zu stellen, auch knackst es schon erheblich in
den Bohlen. Warum habe ich nicht nach einer Rettungsweste gesucht? Jetzt ist es
zu spät, gesehen habe ich bisher keine. Moment mal, da waren doch auch keine
Rettungsboote ... ? Ein gut sechs Meter langer Einbaum, gefüllt mit einem
Fischernetz, liegt auf dem Vorderdeck,
das wird es ja wohl kaum sein.
Nun, immerhin scheint der Maschinist Vertrauen zu seinem Diesel zu haben.
Schließlich siegt die Vernunft, ich tapse nochmals auf irgendwelche menschlichen
Organe, liege wieder flach, kann aber nicht
einschlafen. Dieser Lärm, die unruhige Fahrt bei der ich fast aus der zweiten
Etage falle, das Arbeiten des Holzgerippes, immer wieder schaue ich auf die Uhr,
bald lohnt das Schlafen nicht ... um 6.30 Uhr werde ich wach. Wir laufen in den
Hafen von Gorontalo ein, doch noch
für eine kurze Zeit eine Mütze Schlaf genommen. Nach
einer mühseligen Kletterei über ein Frachtschiff, an dem der Kapitän
unverständlicherweise längsseits angelegt hat, stehe ich auf festen
Boden. Abermals eine indonesische Fähre überlebt.
... und das Ganze nur, um die neuen, unsinnigen Visabestimmungen
zu erfüllen. Der gesamte Ausflug nach Davao / Philippinen und zurück, um den
Aus- und Wiedereinreisestempel zu erhalten, hat mir letztendlich gute 350 US$, sieben
Reisetage, eine fast schlaflose Nacht und vier Morgen mit frühem Aufstehen
gekostet. Wenn ich den Minister, der für diese Änderungen verantwortlich
zeichnet jemals in meine Finger kriegen sollte, gnade ihm
Gott, Allah, ich nicht!!
Ein Bentor in das Stadtzentrum kostet 3000, incl. 1000 für die offizielle "Hafenbetretungsgebühr", angefangen wird allerdings mit 7-10.000. Vor der Hafenschranke warten Bentors, die auch für 1-2000 fahren.
Freitagmorgen, schon vor dem Sonnenaufgang, beginnt der gut besuchte Markt.
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Polak, Bonn, Germany,
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Niks Reiseberichte
Fasten seatbelt ... und dann niks wie weg!
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